Warum das Vertrauen in die Lebensversicherung schwindet

Eine Umfrage des Emnid-Instituts belegt es: Immer mehr Menschen drehen Versicherern den Rücken zu, weil ihr Vertrauen in die Lebensversicherung schwindet. Verstärkt wird dieser Abgang durch Medienberichte über nicht eingelöste Zinsversprechen.

Laut Emnid-Umfrage im Auftrag der „Bild am Sonntag“ würden 69 Prozent der Bundesbürger heute keine Lebensversicherung mehr abschließen. Nur 29 Prozent würden es weiterhin tun. Fakt ist, dass infolge der Niedrigzinspolitik der Regierung der Garantiezins für Neuverträge auf ein historisches Tief von 1,75 Prozent gesenkt worden ist. Bei Altverträgen beträgt er noch rund 4 Prozent, doch gibt es selbst in der Bundesregierung Stimmen, die dies für nicht gesichert halten.

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Nach einer Analyse des Ratinghauses Morgen & Morgen sind die Überschussbeteiligungen bei 8 von 10 Versicherern bereits derart gesenkt worden, dass die Gesamtverzinsung von 4,1 auf 3,9 Prozent gefallen ist. Verbraucherschützer warnen zu einem bis zu 30-prozentigen Rechnungsloch in der Kasse der Versicherten, besonders bei Fondspolicen.

Doch auch der Wert der 280 Milliarden Kundengelder, die festverzinslich investiert sind, stagniert. Ab dem 21. Dezember 2012 müssen Versicherte zudem nicht mehr am Laufzeitende automatisch zur Hälfte an den stillen Reserven beteiligt werden. Was also tun – verkaufen?

Bevor Sie zu völlig verrückten Anlageformen wie z.B. Bitcoin greifen ( in die angeblich viele Chinesen ihre Altersvorsorge investiert haben), lehnen Sie sich besser zurück und denken ruhig und gelassen über ihre finanzielle Situation nach.

Die Verbraucherzentralen raten, die Vor- und Nachteile der Kündigung einer Police sorgfältig abzuwägen. Langjährige, vor 2005 abgeschlossene steuerfreie Verträge sollten im Regelfall nicht gekündigt werden, sagt Lars Gatschke, Versicherungsexperte beim Bund der Verbraucherzentralen (mehr dazu auch hier: http://www.cashlife.de/Lebensversicherung-verkaufen/FAQ-Verkauf-Versicherung-Steuern/).

Ein Ausstieg bringe Verluste, die fälligen Gebühren rissen außerdem ein zusätzliches Loch in die Kasse des Versicherten. Alternativ zur Kündigung kann die Laufzeit eines Vertrages je nach Versicherer verkürzt werden, oder die Police wird beitragsfrei gestellt, wobei dann Stornoabschläge fällig sind. Die Verbraucherzentralen beraten bei der Bewertung der Lebensversicherung. Wer seine Rendite selbst berechnen will, kann dazu den Internet-Rechner von finanztest.de nutzen. Handelsblatt.com bietet außerdem einen Vergleich der Überschussbeteiligungen und Renditenprognosen verschiedener Versicherungsgesellschaften.

Währenddessen tun die Lebensversicherer alles, um ihre Policenversprechen trotz der Niedrigzinsphase einzulösen: So investieren sie in den zurzeit boomenden Immobilienmarkt, um zusätzliche Renditen zu erwirtschaften. Sie kaufen mit Hypotheken unterlegte Wertpapiere und vermitteln selbst Baudarlehen. Wer die Lebensversicherung zur Immobilienfinanzierung nutzen will, ist mit einem Policendarlehen gut beraten, sofern der Vertrag noch lukrativ ist.

Aufgrund der historisch niedrigen Bauzinsen ergibt sich ein Zinsvorteil, weil das Guthaben bei dem Versicherer selbst beliehen wird. Sonst lohnt unter Umständen die Kündigung und Einbringung des Rückkaufswerts als Eigenkapital, da dadurch die Beleihungsgrenzen gemindert und die Bonität des Kreditnehmers verbessert werden. Ungünstig ist dagegen die Versicherungshypothek, da bei dieser Finanzierungsart als endfälligem Darlehen vergleichsweise hohe Zinsen anfallen.

Verfasst von Renate Hammerschmied
Informationen zum Autor

Renate Hammerschmied, geboren 1945 in Berlin, wuchs in armen Verhältnissen auf. Ihre Begeisterung für die Wirtschaft brachte sie in den 60er Jahren an die Universität in München. Dort studierte sie Volkswirtschaft. Nach einer erfolgreichen Karriere als Unternehmensberaterin hat sich Renate Hammerschmied als freiberufliche Autorin zur Ruhe gesetzt.