Steigende Preise für Wohneigentum

Der Hauseigentümerverband Schweiz (HEV) registriert einen Boom im Immobilienmarkt. Selten zuvor waren weniger Leerstände in Städten und Gemeinden verzeichnet. Nun befürchten viele eine Wohnkostenerhöhung durch eine Entscheidung des Bundesrats bezüglich des Eigenkapitalpuffers ab September 2013.

Über 35% aller Häuser und Wohnungen in der Schweiz werden von ihren Eigentümern bewohnt und genutzt. Die Quote stieg dabei zuletzt noch einmal an und wird sich im Frühjahr und Sommer 2013 voraussichtlich nicht senken. Der hart umkämpfte Immobilienmarkt weist in jüngster Zeit eine steigende Nachfrage an Wohneigentum auf, der ab Herbst dieses Jahres deutlich teurer werden könnte.

Der Markt unterliegt dabei den Vorgaben der Schweizerischen Nationalbank, die den Bundesrat nun zu Änderungen gedrängt hatte. Ziel ist es, einen so genannten Eigenkapitalpuffer zu aktivieren, der strengere Eigenkapitalregeln und höhere Hypothekzinsen bei einer Hausfinanzierung ohne Eigenkapital für jeden Haushalt zur Folge haben könnte.

Beobachter raten nun neuen Wohneigentümern, besonders auf die Klauseln ihrer Hypotheken zu achten. Durch den Eingriff der Schweizerischen Nationalbank gäbe es nämlich größere Unterschiede zwischen den Bankinstituten. Vorsicht sollte dabei auch bei laufenden Verträgen gelten, die nach September 2013 durch Änderungen variable Hypotheken beinhalten könnten. Der HEV rät den Mitgliedern inzwischen dringend, Analysen und Kostenvergleiche einzuholen. Besonders vor neuen Hypotheken sowie Wandlungen bei Änderungen durch familiäre Situationen sei dies durch die Änderungen notwendig.

Damit besteht zwischen dem HEV und dem Bundesrat samt der Schweizerischen Nationalbank ein offener Interessenskonflikt. Während die HEV den Finanzmarkt für Wohneigentum optimiert hätte, reagiert die Gegenpartei auf den nicht sinkenden Bedarf an Wohneigentum trotz leicht rückläufiger Immigration in die Schweiz.

Aus Sicht der Schweizerischen Nationalbank liegen die Zinsen momentan zu niedrig, Immobilien im Hochpreissegment dabei ausgeschlossen. Wahrnehmbar ist dagegen die Verteuerung des Wohnraums bereits seit 2011 um rund 5 Prozent jährlich. Die Besorgnis des HEV stützt sich auf Analysen, die eine gesamte Teuerungsrate im zweistelligen Bereich seit rund 12 Jahren aufweisen.

Der Wohneigentumsboom betrifft vor allem den Ankauf von Eigentumswohnungen in stark bewohntem Stadtgebiet und unter anderem der Region um Genf. Die HEV geht von einer Verteuerungsrate dieser Eigentümer von über 80 Prozent in den letzten 12 Jahren aus. Die Preise stehen damit kaum noch im Verhältnis zu früheren Marktpreisen und deuten Beobachtern nach auf eine mögliche Immobilienblase hin. Wann die Grenzen erreicht werden, steht durch die anhaltende Nachfrage noch nicht fest. Der Immobilienmarkt wird demgegenüber voraussichtlich mit sinkenden Preisen im exklusiven Hochpreissegment reagieren. Die Quoten von Einfamilienhäusern bleiben im Durchschnitt konstant.

Verfasst von Renate Hammerschmied
Informationen zum Autor

Renate Hammerschmied, geboren 1945 in Berlin, wuchs in armen Verhältnissen auf. Ihre Begeisterung für die Wirtschaft brachte sie in den 60er Jahren an die Universität in München. Dort studierte sie Volkswirtschaft. Nach einer erfolgreichen Karriere als Unternehmensberaterin hat sich Renate Hammerschmied als freiberufliche Autorin zur Ruhe gesetzt.