Renteneintrittsalter für Frauen auf 65 erhöht

Zahlreiche Pensionskassen heben das Renteneintrittsalter für Frauen auf 65 an. Ob die eigene dazu gehört, lässt sich an dem persönlichen Vorsorgeausweis ablesen. Rechtlich gesehen dürfen die weiblichen Erwerbstätigen aber bereits ein Jahr vorher in den Ruhestand einkehren. Auf den ersten Blick mögen die Kassen demnach gesetzwidrig handeln, in Wirklichkeit jedoch wissen sie, wie der Spielraum optimal ausgenutzt werden kann.

Das Renteneintrittsalter von 64 Jahren gilt nur, wenn die Pensionskassen Minimalleistungen anbieten. Die Meisten leisten allerdings mehr und sind daher nicht an das gesetzliche Renteneintrittsalter gebunden. Diese Regel besteht also nicht, wenn Frauen im überobligatorischen Bereichen beschäftigt sind, was in vielen Fällen tatsächlich auch vorkommt. Sollten die weiblichen Erwerbstätigen aber dennoch mit 64 in den Ruhestand gehen, erfüllen die Pensionskassen immer noch das BVG-Minimum. Hierbei muss entweder eine geringere Rente oder höhere Arbeitnehmerbeiträge hingenommen werden. Wer genaue Angaben zu früheren oder späteren Pensionierung erhalten möchte, findet dies in den Richtlinien der jeweiligen Pensionskassen.

Die Anhebung des Renteneintrittsalters findet kaum Anklang, aber die Pensionskassen wissen sich zu rechtfertigen. Da auch Männer erst mit 65 in den Ruhestand kehren dürfen, müssen Frauen es ihnen gleichtun. Die Gleichstellung beider Geschlechter steht in der Verfassung geschrieben, daher verstößt die Änderung gegen keinerlei Gesetze.

Im Parlament wird debattiert, ob das Renteneintrittsalter aller Frauen auch gesetzlich gesehen erhöht werden sollte. Über 800 Millionen Franken können eingespart werden, die laut AHV (Alters- und Hinterlassenenversicherung) zur Verbesserung der Finanzen verwendet werden können. Was aber nicht dazu gehört, ist das verfrühte Pensionieren der sozial schwächeren.
Ein anderer Vorschlag hingegen wurde deutlich abgelehnt. So steht der Verzicht auf die zeitgemäße Anpassung der Renten an die Inflation jede zwei Jahre nicht auf dem Plan.

Verfasst von Herbert Weinfeld
Informationen zum Autor

Herbert Weinfeld ist studierter Journalist. Seit 2011 befindet er sich im Ruhestand und schreibt von Zeit zu Zeit u.a. für faire-renten.ch. Schon immer hatte Weinfeld großes Interesse an der Wirtschaft und unserem Rentensystem.